Mir Häldsdoifer

Anfang März fand in Dalherda in der Rhön eine gemeinsame Sitzung des Vorstandes der Heimatgemeinschaft Heldsdorf, dem Kurator der Kirchengemeinde Heldsdorf sowie des Vorstandes des Fördervereins Heldsdorf statt. Im Vordergrund standen dabei die gegenseitige Information, die Suche nach Synergien sowie die Abklärung von Aktivitäten zur Gestaltung der Zukunft. Die große Frage, mit der wir uns nicht nur in der Rhön auseinandersetzten, sondern die bereits seit Jahren bei den ehrenamtlichen Aktivitäten mitschwingt und, so glaube ich, in Zukunft immer bessere Antworten einfordern wird, ist: Wie erhalten wir „uns“ als Gemeinschaft?

Aus meiner Sicht erleben wir Heldsdörfer momentan (mal wieder) eine schwierige Phase, die diesmal aber aufgrund ihrer Konsequenzen besonders heikel für unsere Gemeinschaft ist. Ich denke, die Phase durchläuft nicht nur die Heldsdörfer Gemeinschaft, sondern die meisten der aus den ehemaligen Dörfern und Städten Siebenbürgens resultierenden Gemeinschaften. Die Phase ist nicht bedrohlich für den oder die einzelne Heldsdörferin. Generell, auch wenn das im Einzelfall nur bedingt zutreffen mag, stehen wir materiell und finanziell recht gut abgesichert da. Die Phase ist jedoch bedrohlich für die Gemeinschaft, da diese bereits schwindet. Die Prozesse, die zur Schwächung beitragen, sind zudem noch lange nicht beendet.

Der Versuch einer Bestandsaufnahme

Die meisten Mitglieder der Heldsdörfer sächsischen Gemeinschaft, damit meine ich die Mitglieder und Nachkommen der ehemaligen Dorfgemeinschaft, leben nun bereits seit etwa zweieinhalb und mehr Jahrzehnten weitab von Heldsdorf. In Heldsdorf ist ein Kern verblieben, der sich tapfer über diese Zeit gehalten hat, durch die spezifische Altersstruktur der im Heimatort Verbliebenen aber Jahr für Jahr weiter geschwächt wird.

Fernab von Heldsdorf erodiert die Gemeinschaft durch mehrere Entwicklungen. Einerseits ist die Generation, die die Gemeinschaft in der Zeit vor der großen Auswanderungswelle Anfang der 1990er Jahre entscheidend geprägt hat, älter und gebrechlicher geworden sowie auch bereits dezimiert. Sie hat jedoch über die letzten paar Jahrzehnte auf Basis der bestehenden Kontakte untereinander, der Kränzchen, der gemeinsamen Erfahrungen in Heldsdorf (und beim Aufbau einer neuen Existenz in Deutschland) dafür gesorgt, dass beispielsweise die Heldsdörfer Treffen gut besucht waren.

Meine Generation, dazu zähle ich grob die heutigen 35- bis 55-Jährigen, hat in der Regel auch noch eine prägende Zeit in Heldsdorf erlebt. Die Ausreise haben die meisten, so nehme ich es zumindest wahr, als gewaltigen Umbruch erlebt. Nun galt es, etwas aufzubauen. Mittlerweile ist das weitgehend erledigt. Ich denke, meine Generation hat auch noch sehr deutliche Bezüge zur Gemeinschaft und zu Heldsdorf. Allerdings nehme ich oft in Begegnungen wahr, dass die Bezüge mit der Haltung „Das bringt doch alles nichts mehr“ gedeckelt werden oder zum Teil auch Ängste bestehen, sich dem als vergangen Empfundenem verstärkt zuzuwenden. Oftmals entsteht so das Bild, dass eine Wunde notdürftig verheilt ist und Betroffene es vermeiden, irgendetwas zu unternehmen, was die Wunde wieder aufbrechen lassen könnte. Aus meiner Sicht ist das natürlich schade, da dadurch Potential verschenkt wird, mit den Wurzeln kreativ und heilend umzugehen.

Die Generation, die in Deutschland geboren wurde oder die prägenden Jahre der Kindheit und Jugend hier erlebt hat, hat die Heldsdörfer Gemeinschaft wenn überhaupt, dann nur über Erzählungen, Familienfeste, Heldsdörfer Treffen oder sonstige Zusammenkünfte erlebt. Wahrscheinlich ist das zu wenig, um sich selbst dauerhaft als konstituierender Teil einer Gemeinschaft wahrzunehmen. Möglicherweise haben wir es – die siebenbürgischen Eltern und Ehrenämtler – es in den vergangenen Jahrzehnten auch zu lässig gehandhabt, für die Zukunft der Gemeinschaften Sorge zu tragen. Es lief doch – die Treffen waren gut besucht, es war Stimmung da …

Und nun?

Die gute Nachricht ist: Die Gemeinschaft lebt immer noch, auch wenn sie – vielleicht auch nur ihr sichtbarer Teil – kleiner geworden ist. Das heißt: wir haben eine Basis, auf der wir weiter aufbauen können, die wir weiter gestalten können. Und wir tun es. Da sind wir wieder bei der Zusammenkunft in Dalherda. Was wurde nun konkret beschlossen?

  • Ein ganz wichtiger Punkt war das anstehende große Heldsdörfer Treffen im Mai in Friedrichroda, zu dem weitere Details geklärt wurden. Unter anderem ging es auch darum, das Programm so zu gestalten, um mit einem breiten Angebot möglichst viele Heldsdörfer anzusprechen. Mehrere Vorträge und weitere Programmpunkte werden erstmals in einem gesonderten Raum angeboten.
  • Voraussichtlich im Sommer 2017 wird es ein Heldsdörfer Treffen in Heldsdorf geben. Der genaue Termin wird bekannt gegeben, sobald die Räumlichkeiten für die Feiern in Heldsdorf geklärt sind. Zu dem Treffen wird es ein breites Rahmenprogramm geben, damit sich eine Reise nach Siebenbürgen mit der Familie auch lohnt.
  • Für den Sommer 2016 werden Arbeitswillige gesucht, die mithelfen, den Boden der Kirche in Heldsdorf zu scheuern. In der Aufgabe können wir die Kirchengemeinde Heldsdorf gut unterstützen. Auch für diese Aktivität müssen vor Bekanntgabe des Termins noch der geeignete Zeitraum sowie weitere Details abgeklärt werden.
  • Im Sommer 2016 ist das Hans-Asmussen-Haus in Dalherda für eine Woche gemietet, um es Heldsdörfern zu ermöglichen, eine Woche Urlaub in der Gemeinschaft zu verbringen, gemeinsam zu kochen, zu spielen, am Lagerfeuer zu sitzen, ins Freibad zu gehen etc. Zum jetzigen Zeitpunkt haben sich bereits 24 Personen angemeldet – ein paar weitere können wir noch unterbringen.

Zugegeben, das sind alles kurz- und mittelfristige Angebote. Wie geht es aber danach weiter?

Also zunächst finden die oben dargestellten Angebote für 2016 einen großen Anklang! 🙂 Das ist dann ein nächster Schritt, aber nicht das Ende der Fahnenstange. Nächstes Jahr wird es wieder ein gemeinsames Treffen des Presbyteriums der Kirchengemeinde Heldsdorf mit den Vorständen der Heimatgemeinschaft und des Fördervereins geben, wo weitere Aktivitäten sowie Entwicklungsperspektiven besprochen werden. Ich bin zuversichtlich, dass es uns langfristig gelingt, einen Weg zu finden, um unsere Gemeinschaft nachhaltig zu festigen.

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Der informelle Teil I

 

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Der informelle Teil II

2 Gedanken zu „Mir Häldsdoifer

  • Hallo Heiner,
    ich würde gerne einen Zuschuss für Eure Aktion im Juni 2016 in Heldsdorf überweisen, finde aber keine Konto-Verbindung usw. vom FV. Vielleicht kannst Du diese auch einstellen oder sie mir mitteilen?
    Gruß
    Heide

    • Hallo Heide,

      vielen Dank für die Anregung und die Bereitschaft, die Aktion in Heldsdorf zu unterstützen!
      Du hast Recht, die Bankverbindung war bislang nicht Teil der Homepage. Ich habe diese gerade auf der Seite „Über uns“ eingepflegt.

      Viele Grüße

      Heiner

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