Nicht trauern sondern Siebenbürgen neu entdecken!

Diese Woche erschien der Beitrag „Nicht der alten Heimat nachtrauern. Siebenbürgen neu entdecken!“ in der Online-Ausgabe der ADZ. Es handelt sich um ein Interview mit Hans Gärtner, dem Vorsitzenden des HOG-Verbands, Martin Bottesch, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS), sowie Stephanie Kepp und Bettina Mai von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD). Das Interview entstand während der letzten Tagung zur Vorbereitung des großen Sachsentreffens vom 4. bis 6. August 2017 in Hermannstadt.

Das Sachsentreffen soll dieses Jahr

„[…] ein ganz besonderes werden. Eines, das Sachsen aus Siebenbürgen, Österreich, Deutschland, Amerika und Kanada zusammenbringt. Doch soll in der alten Heimat nicht einer längst vergangenen Zeit nachgetrauert werden. Sie soll wiederentdeckt, und sie soll den jungen Menschen nähergebracht werden. Den Kindern und Jugendlichen der ausgewanderten Sachsen, die in Deutschland leben, häufig auch in der Bundesrepublik geboren wurden. Sie sollen Siebenbürgen entdecken. Das Land ihrer Eltern und Großeltern.“

Das ist aus meiner Sicht der richtige Ansatz, den auch der Förderverein verfolgt. Eine Woche nach dem Sachsentreffen findet in Heldsdorf ein großes Heldsdörfer Treffen statt, das gemeinsam mit einem umfangreichen Rahmenprogramm genau zu dem Punkt beitragen soll. Wir hoffen natürlich, dass viele junge Heldsdörfer das Angebot annehmen und die ersten Augustwochen in Siebenbürgen verbringen werden!

Hans Gärtner beschreibt, dass die Planung der Veranstaltung auf einen Effekt baut, der bei individuell veranstalteten Reisen ausbliebt:

„Bisher kamen die ausgewanderten Siebenbürger Sachsen oft nur mit ihren Kindern zurück, aber wenn du alleine in ein Dorf kommst, in dem alle Sachsen ausgewandert sind oder die meisten, dann war die Erfahrung zu 80 bis 90 Prozent negativ. Sie haben schnell festgestellt, dass sich das Dorf verändert hat und sie niemanden mehr kennen. Die Erwartungshaltung war in diesen Fällen eine falsche. Man fährt in ein Dorf heim, das es in dem Sinne nicht mehr gibt, und erwartet aber, dass man es so wiederfindet, wie man es verlassen hat. Doch das Ursprungsdorf gibt es nicht mehr. In der Zwischenzeit sind Rumänen und Zigeuner zugezogen. Mit unserer Heimatortsgemeinschaft haben wir festgestellt, dass, wenn man in der Gemeinschaft wieder hinfährt, das  dann ein ganz anderes Gefühl ist. Man zieht gemeinsam wieder in das Dorf ein, man trifft auf der Straße bekannte Gesichter, auch wenn es nur die Menschen sind, mit denen man aus Deutschland gekommen ist. Es entwickelt sich aber ein anderes Gefühl des Nachhausekommens.“

Ich denke, das ist ein zutreffender Aspekt. Ich glaube aber auch, dass es nicht langt, den Kindern und Nachkommen nur die Gassen des Heimatorts zu zeigen und das Wiedersehen mit alten Nachbarn und Freunden zu feiern. Die Gefahr bist groß, dass sie dadurch dann doch nur erfahren, wie es „früher“ in dem Ort war. Siebenbürgen und Rumänien verfügen über so viele attraktive Orte, Landschaften und Geschichten, dass es absolut Sinn macht, die Reise damit zu bereichern. Damit mehr hängen bleibt, als nur die alten Geschichten. Und die Nachkommen neue Bindungen an Land und Leute entwickeln, um sich auch in 30 Jahren mit Siebenbürgen verbunden zu fühlen.

 

Ein Kommentar

  1. „Nicht trauern sondern Siebenbürgen neu entdecken“ trifft voll und ganz auch mein Denken, meine Erfahrungen und mein eigenes Tun und Lassen, wenn wir nach Siebenbürgen fahren. Früher -und da meine ich die Zeit vor den 80ern- war man doch mit sich und dem was unmittelbar um eins passierte so sehr beschäftigt, dass der Alltag sich eigentlich fast ausschließlich nur rund um die eigene Dorfkirche und-gemeinschaft drehte.
    Seit ca 2006 hingegen sind wir nun genau in dieser Phase des Neuendeckens unserer alten Heimat angekommen. Wir erleben zusammen mit meinem Mann auf unseren etlichen Siebenbürgen Reisen, wie wunderbare schöne Erinnerungen uns einholen und wie gut wir sie weggesteckt, wie stark wir dennoch vom sachsischen Wsen geprägt sind/und das ist gut so/ und wie die Gegenwart in Siebenburgen uns eine ganz besondere Entdeckungsreise bietet.
    Kurz nach unserem Exitus in den frühen 80ern hätte ich genau das nicht für möglich gehalten.
    Die Zeiten haben sich gewandelt und wir mit. Das erleben wir mit großem Genuss.
    Wenn wir in Siebenbürgen diese letzten Jahre ankamen, konnten wir uns über die vielen Veränderung, die Land und Leute im Prozess der Demokratisierung erlebt haben richtig mitfreuen. Wir konnten über viele Vergleiche aus den alten Zeiten die Neuheiten der gegenwartigen Zeit erkennen und vorallem gut schätzen. Wir konnten selbst in der rumänischen Sprache, die erreichten Veränderungen und Freiheiten erspüren. /da möchte ich nur auf zwei Sachen hinweisen- die neue Sprache bei Radiodisskussion und die zum Teil sehr witzig klingenden Werbeanschriften/oferte/ uberall-die haben’s in sich.
    Wirklich ein neues Land-das Rumänien und mitten drin unser Siebenbürgen.
    Siebenbürgen in dem alten Sinne kanns nicht mehr geben und muss doch klaro – neu entdeckt werden.

    Und nochwas: nicht nur die herrlichen Kulturlandschaften und die einzigartigen Kirchenburgen und die großen Veranderungen nach 89 machen jede Siebenburgenreisen zu einer besonderen Entdeckungsreise, sondern auch, was eins selber betrifft, kann man Neuheiten erfahren.
    Ich z. B. werde immer wieder so ruhig und glücklich, nachdenklich und versinke in Erfurcht vor Land und Leute. Das kenne ich hier im Alltag weniger von mir. Die Hektik meines Alltags lässt es wahrscheinlich „noch“ zu wenig zu.

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