Ein Ursus bitte!

Bei „Ein Ursus bitte! Abenteuerland Rumänien“ macht es Sinn, die Buchbeschreibung mit dem Autoren zu beginnen. Wolfgang Klein beschreibt sich in Kurzform selbst folgendermaßen: „Ich bin 1,86 Meter groß, habe grüne Augen, einen Vollbart und bin etwas vollschlank.“ Im Buch verwendet er – so meine ich, finde es auf die Schnelle aber nicht – auch die Bezeichnung „Bud Spencer-Typ“.

Wolfgang Klein wurde 1956 in Hermannstadt geboren. Mittlerweile hat er – damit teilt er das Schicksal vieler Siebenbürger Sachsen – mehr Zeit in Deutschland als in Siebenbürgen verbracht. Hauptberuflich ist er Gastwirt und betreibt in Mainz-Gonsenheim die Gaststätte „Zum Löwen“.

Ich glaube nach der Lektüre des Buches auch sofort, dass der Job sehr gut zu ihm passt. Vom Leben als Wirt und den erlebten Geschichten ist sehr oft die Rede. Ein guter Wirt muss kommunikativ sein, Geschichten erzählen und aufsaugen können und seine Gäste sowie den Menschen an sich mögen. So wie ich mir Wolfgang klein vorstelle, erfüllt er die Voraussetzungen. Und hat sie genutzt, um die Geschichten auch zu Papier zu bringen: Mittlerweile sind in seinem eigenen Verlag mehrere Bücher von ihm erschienen. Das jüngste Buch heißt „Schnaps für alle!“. Klingt gut und muss etwas mit Strategie und Wahlkampf zu tun haben 🙂

 

Gleich im ersten Satz des Buches warnt Wolfgang Klein: „Dieses Buch ist kein Reiseführer.“ Damit hat er Recht. Zwar steht auch eine Reise im erweiterten Fokus der Berichterstattung, diese gerät jedoch relativ flott ins Hintertreffen. Zwar wird die Fahrt chronologisch aufbereitet („Km 1229: Szeged. Da ist die Oma von der Allerbesten geboren.“), allerdings von sehr vielen weiteren Geschichten unterbrochen. Wolfgang Klein berichtet da beispielsweise über das Leben seines Vaters, seine Perzeption der Geschichte mit den Zigeunern, das Wesen und die Abenteuer seiner Kneipenkunden usw. Die Geschichten sind humorvoll und kurzweilig erzählt. Manchmal stellt sich die Frage, was ist wahr und was ist Fiktion? Der Punkt geht aber in Ordnung. In der Kneipe muss man nicht alles so genau nehmen.

Auch zu Rumänien erfährt man Einiges. Über die Lieblingstante des Autoren, als dieser in Hermannstadt aufwuchs, über seine Zeit beim Militär (in der er sich unter anderem auf das Verfassen von Liebesbriefen im Auftrag seiner Vorgesetzen spezialisierte), über Ersatzteilbeschaffung in Bukarest.

Was eher stört, ist, dass eine Geschichte an die anderen gereiht wird und kein wirklicher roter Faden erkennbar ist. Wenn roter Faden, dann besteht der eher aus den Kneipengeschichten und der Weltsicht des Autors, weniger aus den Rumänien- oder Siebenbürgen-Geschichten. Nach etwa zwei Dritteln des Buches ist die Rumänienreise auch zu Ende. Wolfgang Klein schreibt aber: „Wer jetzt dachte, ich sei am Ende dieses Buches angekommen, der irrt sich. Es geht weiter. Ein paar Geschichten habe ich noch, auch wenn sie nichts mit der Reise zu tun haben.“ Sie haben auch nichts mit Rumänien zu tun. Es geht unter anderem um das Arbeitsamt, Haustiere, Shishas, Cocktails oder die GEZ. Oftmals musste ich dabei schmunzeln. Der Wolfi – wie er sich selbst auch nennt – ist schon ein witziger Mensch. Seine Ansichten zu Politik und Gesellschaft habe ich eher überflogen, da mir diese wenig gebracht haben.

Alles in allem ist das Buch kurzweilig und witzig. Wie ein Kneipenabend sein sollte. Am besten haben mir die Geschichten aus Vama Veche gefallen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich noch ein Buch von Wolfgang Klein lesen werde. Viel mehr reizt es mich, Geschichten mal von ihm selbst zu hören. An der Theke in seiner Gaststätte. Mit einem Ursus oder einem Schnaps in der Hand.

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