Eindrücke vom Kirchentag in Kronstadt sowie dem Gottesdienst in Heldsdorf

Vom 29. September bis zum 1. Oktober 2017 fand aus Anlass des Reformationsjubiläums in Kronstadt, von wo die Reformation in Siebenbürgen ausging, ein beeindruckender Kirchentag statt. Organisiert wurde er von der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR), der Kronstädter Evangelischen Kirchengemeinde  A. B. (Honterusgemeinde) und der ungarischsprachigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien.

Aus meiner Sicht war die Kooperation mit der ungarischsprachigen Kirche eine großartige Idee, da sie den Kirchentag zweifelsohne belebt hat. Die Eröffnungsfeier fand dementsprechend auch sinngemäß in der Kirche, dem Hof und dem Pfarrhaus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kronstadt statt, die etwas versteckt unweit der Hauptpost und des Rathauses in Kronstadt liegt. Das Beitragsbild oben wurde in der Kirche gemacht.

Am 30. September konzentrierten sich die Veranstaltungen um die Schwarze Kirche herum, am 1. Oktober gab es vor allem in den Burzenländer Gemeinden zeitgleich Gottesdienste und am Nachmittag eine Abschlussfeier in der Evangelischen Kirche A. B. Bartholomä.

Ein ausführlicher Bericht zum Kirchentag, „Kronstadt war der entscheidende Impulsgeber„, ist am 5. Oktober 2017 in der Karpatenrundschau erschienen.

Der 30. September

Der Tag begann für uns, Thomas Nikolaus (Tommi) und ich waren extra zum Kirchentag angereist, mit dem feierlichen Eröffnungsgottesdienst „Die vier Zeiten“ in der schwarzen Kirche. Die Bezeichnung wurde gewählt, da vier Predigten zu vier unterschiedlichen Zeiträumen gehalten wurden: Pfarrer István Koszta aus Kronstadt sprach über „Die Zeit der Reformation“. Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli aus Bukarest nahm sich der „Zeit der Heimsuchung um 1689 und Folgezeit“ an. Stadtpfarrer Christian Plajer aus Kronstadt predigte zur „Erneuerung, 19. Jahrhundert“ und Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner aus Mediasch zur „Zeit des Umbruchs. Zeit des Aufbruchs? Gegenwart“. Es war ein sehr feierlicher Gottesdienst, nicht zuletzt dadurch, dass er von einem großen Chor sowie Solisten musikalisch begleitet wurde.

Die Schwarze Kirche war voll besetzt. Im Honterushof war eine Leinwand aufgebaut, auf der weitere Interessierte sowohl den Gottesdienst als auch das Konzert am Abend verfolgen konnten.

Ihm war es zu verdanken, dass Kronstadt zum Ausgehpunkt der Reformation in Siebenbürgen wurde: Johannes Honterus.

Nach dem Gottesdienst hatte man die Gelegenheit, einen von zwölf Workshops zu besuchen. Ich entschied mich zum Vortrag „Import – Export. Einflüsse und Wirkungen der Reformation“ von Dr. Ulrich Wien in der Obervorstädter Kirche. Vor der Veranstaltung wurde im Kirchhof im Rahmen des Reformationsprojekts ”12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ noch ein Apfelbäumchen gepflanzt.

Als erstes schaufelten Dr. Michael Hübner vom Martin-Luther-Bund, Pfarrer Enno Haaks vom Gustav-Adolf-Werk, Bischof Reinhard Guib, Landeskirchenkurator Friedrich Philippi sowie Dr. Stefan Cosoroaba von der EKR Erde auf die Wurzeln des Bäumchens.

Nachmittags lud die Sonne zwischen zwei Veranstaltungen bei etwa 15°C zum Kaffee auf dem Marktplatz ein.

In Festzelten, die zwischen der Schwarzen Kirche und dem Marktplatz aufgebaut waren, fand um 16.30 Uhr die Podiumsdiskussion „Evangelisch mit Herzen, Mund und Händen“ statt.

Musikalisch umrahmt wurde sie von Petra Acker und Albert Tajti, die am 10. August 2017 in Heldsdorf die Zuhörer bei einem Konzert in der evangelischen Kirche begeistert hatten.

Géczi Gellért, Stadtrat in Siebendörfer, Diana Muresan aus Mediasch, die zum evangelischen Glauben konvertiert ist, Dr. h. c. Nikolaus Schneider aus Berlin, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland und damit ihr höchster Repräsentant, sowie Prof. Dr. Stefan Tobler, gebürtiger Schweizer und Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Hermannstadt diskutierten über die evangelische Identität und beantworteten Fragen des Moderators Dr. Stefan Cosoroaba sowie der Zuhörer.

Ein absoluter Höhepunkt des Kirchentages war die Uraufführung der Messe von Kronstadt (Credo in unum Deum). Fünf Komponisten hatten von der Honterusgemeinde den Auftrag erhalten, das Werk als Gemeinschaftswerk zu schreiben. Es wurde fünfsprachig, um die sprachliche und kulturelle Vielfalt Siebenbürgens wiederzugeben.

Der aus mehreren Chören gebildete Projektchor, der vom Kantor der Schwarzen Kirche und Dirigent des Kronstädter Bachchors Steffen Schlandt geleitet wurde, einem der fünf Komponisten, sowie die Solisten begeisterten das Publikum in der wieder voll gefüllten Schwarzen Kirche.

Der 1. Oktober

Am Sonntag wurde in Heldsdorf weiter gefeiert. Doch zunächst musste früh am Morgen der Baumstriezel gebacken werden. Sigrid und Tommi teilten sich die Aufgabe.

Um 10 Uhr begann, wie in den anderen Gemeinden des Burzenlandes, der Gottesdienst. In Heldsdorf gestalteten diesen mehrere Personen: Pfarrer in Rente Herwig Klein, von 1985 bis 1993 Pfarrer in Heldsdorf, war für die Liturgie zuständig, Melitta Müller-Hansen, gebürtige Großscheuerin, Kirchenrätin und Beauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für Hörfunk und Fernsehen beim Bayerischen Rundfunk, hielt die Predigt. Beide machten das sehr authentisch und erreichten die Besucher des Gottesdienstes. Vielen Dank!


Ursula Philippi begleitete den Gottesdienst an der Orgel, Elisa Gunesch sang dazu. Danke für die feierliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes!

Es war ein beeindruckender Gottesdienst, der jedoch von einem Notfall überschattet wurde: Ein Besucher erlitt leider einen Kollaps und musste vom Rettungsarzt zunächst versorgt und dann ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei Tage später befand er sich glücklicherweise auf dem Weg der Besserung. Wir wünschen und hoffen, dass diese rasch voranschreitet.

Am Ende des Gottesdienstes überreichte Frau Melitta Müller-Hansen dem Kurator der evangelischen Kirchengemeinde Heldsdorf, Karl-Heinz Gross, eine Altarbibel als Geschenk der evangelischen Kirche in Bayern.

Danach gab es für die Ehrengäste, den Gemeinderat der Kirchengemeinde sowie das Presbyterium ein Festessen im Pfarrhaus.

Es erübrigt sich zu sagen, dass die Hochzeitssuppe sowie der Braten im Anschluss hervorragend schmeckten.

Ein Danke an die Frauen und Männer, die dieses ermöglicht hatten!

Nach einer Abschlussveranstaltung am Nachmittag in Bartolomäe neigte sich der Kirchentag seinem Ende zu. Es waren sehr intensive Veranstaltungen, Begegnungen und Gespräche, die wir in Kronstadt und Heldsdorf erleben durften. Vielen Dank dafür!

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