Hier entstanden die Heldsdörfer Eisenglocken

Vor etwa einem Jahr wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die 1923 in Heldsdorf neu beschafften Glocken im vogtländischen Morgenröthe im Eisenwerk Lattermann gegossen wurden. Das Bild zeigt das Werk und die kleine Ortschaft im Erzgebirge ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die Glocken für Heldsdorf und weitere Gemeinden in SIebenbürgen entstanden.

 

Quelle: Schilling & Lattermann, 1925, Klangstahlglocken, S. 11

 

Im Spätsommer des vergangenen Jahres hatte ich die Gelegenheit, Morgenröthe kurz zu besuchen. Morgenröthe wird heute immer zusammen mit Rautenkranz genannt. Beide kleine Orte zusammen bilden wiederum einen Ortsteil der Gemeinde Muldenhammer, die 2009 aus der Zusammenlegung mehrerer Orte entstand. Morgenröthe-Rautenkranz liegt nicht unbedingt zentral in Deutschland, sondern relativ nah an der Grenze zu Tschechien. Der Ort rangiert in Rankinglisten des kältesten Ortes in Deutschland oft ganz oben. Und ist vielleicht Raumfahrtexperten als der Ort bekannt, aus dem der erste deutsche Raumfahrer stammt: Sigmund Jähn wurde hier geboren und nahm als Kosmonaut 1978 an einem Raumflug teil, der eine Kooperation der UdSSR sowie der DDR war.

 

 

Ich war jedoch weder wegen der Kälte noch wegen dem Kosmonauten da, sondern wollte sehen, welche Spuren vom ehemaligen Glockengießerwerk noch vorhanden waren. Ich wusste, dass dieses im Herbst 1968 abgebrannt war und der Betrieb nicht wieder aufgenommen wurde.

Als erstes nahm ich die Villa der ehemaligen Hammerherren war, wie die Besitzer des Hammerwerkes genannt wurden. Das imposante Haus – auf dem Bild oben ist es das Gebäude im Vordergrund mit der großen Gaube – ist heute nur zum Teil bewohnt und verfällt wohl zusehends.

 

 

Ein restaurierter Hochofen sowie ein Schuppen mit drei Glocken sowie mehreren Informationstafeln erinnern noch an das Eisenwerk, das die Grundlage für die Existenz des Ortes legte. In Morgenröthe kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die als Kind den Brand des Werkes aus einem Dachfenster beobachtet hatte. Sie erzählte, dass aus der Generation ihrer Eltern noch aus jeder Familie jemand in dem Werk angestellt war. Heute leben in Morgenröthe noch etwa 200 Leute. Die jüngeren Leute sind größtenteils weggezogen.

 

Von den Werksgebäuden ist nichts mehr übrig geblieben. Da, wo früher Glocken gegossen wurden, war zu DDR-Zeiten eine Schule für Auszubildende. Heute werden dort in einem Betrieb Metallteile gestanzt, gefräst und gedreht.

Glocken werden heute woanders hergestellt.

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