Jetzt sind die Revolutionäre dran!

Am 18. November veröffentlichte die ADZ die Meldung „Revolution als Geschäft von Millionen Euro“. Diese zeigt erneut (aus meiner Sicht passt sie in eine Reihe mit der Knastschreiberregelung), welche an sich schon skurrilen Regelungen es in Rumänien gibt und welche Blüten diese dann entfalten. In dem Beitrag wird dargestellt, dass die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Tagen mehrere Tausend „Revolutionäre“ überprüft hat. Der Premierminister hat daraufhin den Staatssekretär für Angelegenheiten der Revolutionäre des Amtes enthoben.

Es hat Vorteile, ein „Revolutionär“ zu sein, da diese unter anderem eine monatliche Zuwendung erhalten, aber auch weitere das Leben erleichternde Vorteile genießen. Nun hat sich scheinbar ein florierender Handel mit „Revolutionärszertifikaten“ entwickelt, die zu der Zuwendung berechtigen. Das führte, so vermutet die Staatsanwaltschaft, zu einer hohen Anzahl an falschen Revolutionären. Die ADZ schreibt, dass sich die Zahl der Revolutionäre vervielfacht und mittlerweile 22.000 erreicht hat.

„Von diesen erhalten 14.000 eine monatliche Unterstützung von 1800 Lei. Zuerst seien das etwa 3000 gewesen, sodann 7000 und in der Zeit, als Bebe Ivanovici „Chef der Revolutionäre“ war, hätte es 32.000 gültige Revolutionärszertfikate gegeben. Es wird darauf verwiesen, dass die wahren Helden der Revolution von 1989 geehrt werden, aber der Geschäftemacherei müsse ein Riegel vorgeschoben werden.“

Es wäre spannend, zu erfahren, wie überhaupt offiziell festgestellt wird, wer wirklich „Revolutionär“ ist. Aus meiner Sicht ist es nicht verwunderlich, dass alleine eine solche Regelung allerlei komischen Behauptungen, Bezeugungen und Versuchen der Einflussnahme Tür und Tor öffnet.

Mich hat die Nachricht an den Film „12:08 East of Bucharest“ von Corneliu Porumboiu erinnert (12:08 Jenseits von Bukarest). Auf Rumänisch heißt er passend „A fost sau n-a fost?“ (War es oder war es nicht?). Einen Trailer zu dem Film gibt es auf youtube.

Der Film handelt davon, dass in einem kleinen Fernsehsender diskutiert wird, was am Abend des 22. Dezember 1989 am und um das Rathaus herum geschah. Zwei der angeblich an den damaligen Geschehnissen in der Kleinstadt beteiligten Männer sitzen neben dem Moderator. Die Behauptungen und Erinnerungen der beiden Revolutionäre zu ihren Ruhmestaten werden nicht nur durch Anrufer in Frage gestellt.

Es ist ein witziger Film, der wahrscheinlich aber eher Leute anspricht, die mit Rumänien schon vertraut sind. Leider ist er als DVD nur auf Rumänisch zu erhalten, englische Untertitel können aber eingeblendet werden.

Hier gibt es auch weitere Infos zu dem Film, allerdings ebenfalls nur auf Englisch.

Was habe ich eigentlich am 22. Dezember 1989 gemacht? Vielleicht …

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