Der Gottesdienst zum Heldsdörfer Treffen

Vom 11. bis zum 13. August 2017 fand in Heldsdorf zum zweiten Mal nach 2007 ein großes Heldsdörfer Treffen statt. Am Sonntag, den 13. August, trafen sich die Teilnehmer des Treffens zum Gottesdienst in der evangelischen Kirche.


Natürlich war die Kirche sehr gut besucht. Der Gottesdienst begann mit einem Orgelvorspiel sowie dem Eingangslied „Lobet den Herrn“.

Viele Besucher des Gottesdienstes waren in Tracht erschienen.

 

Nach dem Hauptlied folgte die Predigt von Pfarrer Andreas Hartig. Fokus der Predigt waren Gedanken zum Thema, auf Sand oder Stein bauen. Grundlage bildete ein Teil der Bergpredigt: Matthäus 7, Vers 24-27. Pfarrer Andreas Hartig stellte die Predigt zum Abdruck zur Verfügung. Vielen Dank!

„Liebe Schwestern und Brüder,

Welche große Freude so eine gut gefüllte Heldsdörfer Kirche endlich mal zu sehen. Passiert nicht jeden Tag, dass wir dieses erleben dürfen. Ich denke, dass wir auch anders fühlen und empfinden, wenn eine Gemeinschaft, wenn unsere Gemeinschaft besonders erlebbar und spürbar wird, vor allem in dieser Kirche, vor allem in der Heimat. Oder ist es dasselbe Gefühl wie etwa in Friedrichroda oder Dinkelsbühl? Ich bezweifle das. Korrigieren Sie mich bitte beim Ausgang, wenn Sie einer anderen Meinung sind.

Wer in Hermannstadt beim weltweit größten Sachsentreffen, das jemals in Siebenbürgen organisiert wurde, dabei war, wer die Ansprachen des Präsidenten, der Ehrengäste, wer die Predigt des Bischofs gehört hat, der wird eine Wandlung im Diskurs der letzten Jahre bei solchen Veranstaltungen bemerkt haben. Zumindest ist das mein persönliches Empfinden. Denn viele Redner haben betont, dass hier in Siebenbürgen die Wurzeln unserer Gemeinschaft sind, hier befindet sich das Fundament unserer Kultur, hier ist die wahre Heimat und nicht anderswo auf dieser Welt. Besonders beeindruckt hat mich folgende Aussage unseres Bischofs aus seiner Predigt am letzten Sonntag in einer ebenfalls überfüllten Hermannstädter Stadtpfarrkirche: „Die Zeit ist gekommen, das Land des Segens wieder zum Blühen zu bringen. Kauft Häuser, Äcker, Weinberge! Gott hat mit Siebenbürgen noch was vor.“ So eine klare Einladung, die ja in vielen anderen Ansprachen und Grußworten auch ähnlich formuliert zu hören war, habe ich noch nie gehört. Vielleicht sollten wir darüber wirklich mal ernsthaft nachdenken. Noch nie hatten wir solche Zeiten, in denen wir so leicht von A nach B reisen können, in denen wir so leicht auch anderswo leben können. Wieso nicht wieder in Siebenbürgen, da wo alles begann, wo unsere Vorfahren vor fast 900 Jahren an die Zukunft ihrer Kinder gedacht haben und diesen Schritt mit Gottvertrauen gewagt haben. Das ist unmöglich, denken Sie? Lasst uns auch dieses bedenken: was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Wenn beim Menschen alles möglich gewesen wäre, welchen Sinn hätte noch Gott, welchen Sinn hätte da noch die Kirche, der Gottesdienst, der Glaube? Weil es eben nicht so ist und sein kann, brauchen wir ein festes Fundament, einen festen Untergrund, der uns in allen Zeiten, Zeiten der Freude, aber auch der Trauer, hält und trägt. Deshalb ihr Lieben, brauchen wir Gott.

Um so ein Fundament, um so einen festen Untergrund geht es auch in unserem Bibelwort heute. Hören Sie aus dem Matthäusevangelium 7. Kapitel:
Jesus sprach: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,

als Jesus diese Worte spricht, weiß er, wovon er redet. Ist er doch – selbst ein Handwerker gewesen. Und was bei der Planung und beim Bau eines Hauses „klug“ oder „töricht“ sein kann, das gilt auch für unser „Lebensgebäude.“ Die Wahl des Grundstücks auf dem wir bauen ist entscheidend. Es gibt tragfähige Fundamente und es gibt Fundamente, die sich in den entscheidenden Augenblicken als unzuverlässig herausstellen.

Dass die Siebenbürger Sachsen in ihrer ganzen Geschichte gute Bauherren waren, zeugen die Kirchen und Kirchenburgen in Siebenbürgen, die seit Jahrhunderten immer noch überdauern. Zumindest da wo noch Leben in diesen Bauten einkehrt. Denn wo ein Gebäude kein Leben beherbergt, da mag der Bauuntergrund noch so fest sein und das Haus drauf noch so imposant sein, es wird irgendwann doch zugrunde gehen.

Doch in unserem Predigtwort, liebe Gemeinde, geht es nicht um das Fundament eines Hauses im eigentlichen Sinn, sondern um das Fundament unseres geistlichen Hauses, unseres Lebensgebäudes. Man muss dieses Wort im übertragendem Sinn verstehen und deuten. Der felsige Grund, von dem unser Herr hier spricht, ist nichts anderes als das Hören und Tun der Worte Jesu. Das Hören ist also der eine Teil des Fundaments.

Und wo hören wir die Worte Jesu? Wo wird das Wort Gottes gelesen und ausgelegt? Natürlich, in der Kirche, im Gottesdienst. Wir hören Gottes Wort als Lesung, als Predigt, als Psalmworte, als Lieder, als Gebete. Diese Vielfalt ist gut. Denn jeder und jede von uns wird vom Wort Gottes unterschiedlich angesprochen. Für den einen ist die Predigt wichtig, für die andere ein Liedvers. Aber es gibt auch andere Orte des Hörens als den Gottesdienst: etwa persönlich in der Bibel lesen, die Losung des Tages hören, oder ein kurzes Gebet vor dem Frühstück. Das kann ein guter Start in den Tag sein. Hilfreich ist auch das Gespräch über ein Bibelwort. Vielleicht bei einem Gemeindeabend oder in einem persönlichen Gespräch. Es gibt, wie sie sehen, viele Orte, an denen wir die Worte Gottes, die Worte unseres Herrn hören können.

Auch wenn das Hören wichtig ist, es ist nicht allein entscheidend. Denn, wir erfahren aus unserem Predigtwort, dass beide Bauherren Jesu Worte hören – der Törichte genauso wie der Kluge. Hier in unserem Gleichnis muss auf das Hören, noch etwas folgen, nämlich das Tun. Wer die Worte Jesu in seinem Leben umsetzt, hat auf Fels gebaut, dessen Lebensgebäude ist stabil.

Es geht hier also um unsere Lebensgestaltung, um unser Verhalten im Alltag, dass als Basis Gottes Wort haben soll. Und wie passend dieses sich in diesem Jubiläumsjahr der Reformation zu vergegenwärtigen. Denn eines der Grundsätze der Reformatoren war die Zurückbesinnung auf die Heilige Schrift, auf dem Wort Gottes. Sola Scriptura, allein die Heilige Schrift soll Quelle unseres Glaubens und unserer Handlungen sein. Aus der Heiligen Schrift heraus sollen wir unser Leben gestalten. Wenn wir dieses tun, dann können wir sicher sein, dass unser Lebensgebäude auf sicherem Untergrund steht, ja ein festes Fundament hat.

In unserem Predigtwort heute geht es also ums Tun der Worte Jesus: Es geht um die aktive Nachfolge. Denn diese Worte wollen unser Leben letzten Endes verändern, in einem Leben das Gott gefällt, in einem Leben das Halt, Tragkraft, Sicherheit und Hoffnung gibt. Und ich denke, dass wir das alle brauchen, jeder von uns persönlich, aber auch unsere Gemeinschaft und unsere Kirche.

Welches konkrete Handeln wird jetzt von uns erwartet, damit das Fundament auf dem wir unser Leben bauen ein festes und sicheres ist?

An dieser Stelle sollten wir einen Blick auf die Worte der ganzen Bergpredigt richten. Dort heißt es unter anderem: Richtet nicht. Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar! Liebt eure Feinde. Und schließlich: ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Das sollen wir tun. Tja….aber wie sollen wir das bitteschön denn schaffen? Und dann noch vollkommen sein wie Gott. Das ist doch utopisch. Das mag so sein. Die Bergpredigt fängt jedoch ganz anders an. Nämlich mit den Seligpreisungen in denen die selig gesprochen werden, die sich ganz auf Gott verlassen und alles von ihm erwarten. Wo ich alles von Gott erwarte, kann Leben gelingen. Freilich können wir nicht sagen, jetzt ist alles erledigt und wir brauchen nichts mehr leisten. Das Leben, das Christsein bleibt weiterhin eine Herausforderung, ein Pilgern und Wandern, ein Unterwegssein durch dick und dünn – aber ein Unterwegssein in der Gemeinschaft des dreieinigen Gottes und der vielen anderen Nachfolger Jesu, die mit auf dem Weg sind. Wir alle sind gerufen auf diesem Weg voranzuschreiten. Und das bedeutet Mühe, Arbeit, Schweiß, aber auch Genugtuung, Freude und Erfüllung. Und wenn man nicht mehr weitergehen kann, bzw. weiterweiß, dann hören wir auf Jesu Verheißung ebenfalls aus der Bergpredigt: Sorget nicht. Das fällt uns vielleicht oft schwer, ist aber ein unglaubliches Angebot, sich der Fürsorge Gottes anzuvertrauen. Macht frei, macht gelassener und schenkt uns einen klareren Kopf für die richtige Entscheidung, die wir fassen müssen. Wir können unsere Sorgen abgeben – auch die Sorge, dass ich Gottes Worte nicht immer erfüllen kann, dass mir Nachfolge schwer fällt, dass mir Vertrauen manchmal nicht gelingt – all diese Sorgen gehören zu ihm. Das ist das Fundament, das ist der Fels meines Lebensgebäudes.

Was bedeutet heute in der Nachfolge Jesu zu sein? – z. B. dass man sich in ganz konkreten Situationen die Frage stellt: Was würde Jesus tun? Was hätte er dazu gesagt? Wie hätte er reagiert? Und da merkt man wieder, wie eng das Hören und das Tun zusammenhängen. Denn ich muss natürlich wissen, was Jesus gesagt und getan hat, um seinem Beispiel folgen zu können.

Hören und Tun, das erinnert auch an das, was Dietrich Bonhoeffer fordert: „Beten und Tun des Gerechten.“ „Ora et labora“ verkünden es die Benediktiner. Hören und Tun sind keine Gegensätze, sondern wie der Rhythmus des Herzschlags. Es ermöglicht ein gottgefälliges Leben. Wir alle brauchen es, das Fundament unseres Lebens. Und wenn etwas mal in unserem Leben zusammenbricht? Unsere Gemeinschaft hat in ihrer Geschichte immer wieder solche Momente erlebt. Tja… wir sind noch auf dem Weg der Vollkommenheit. Bis dahin sind wir mal die Klugen, mal auch die Törichten. Katastrophen und Krisen, Scheitern und Misslingen sind ja immer Teil unseres Lebens gewesen und werden es weiterhin bleiben. Diese Verheißung, dass alles in unserem Leben ohne Probleme verläuft, haben wir als Christen nicht. Aber wir haben eine Verheißung sicher: Gott ist mit uns, hilft und ist da. Der Glaube daran wird uns die Kraft geben alle Prüfungen des Lebens zu meistern und noch vieles für unsere Gemeinschaft auf ein festes Fundament zu bauen.

Amen“

Die Predigt ist bei vielen Besuchern des Gottesdienstes auf großen Anklang gestoßen. Sie passt meiner Ansicht nach auch sehr gut zum Anlass des Besuches vieler ausgewanderter Heldsdörfer in der Heimat.

Nach den Mitteilungen folgte das Vaterunser. Das gemeinsam gesprochene Vaterunser ist aus meiner Sicht immer ein sehr emotionaler Moment. Mir verdeutlichen die vielen Stimmen, die gemeinsam im Takt sprechen, welche Gemeinschaft wir einmal waren. Da kommen ganz viele Erinnerungen und Gefühle hoch.

Nach dem Abschlusslied „Nun danket alle Gott“ und dem Orgelnachspiel endete der Gottesdienst. Die Kollekte war, wie überall in Siebenbürgen an dem Sonntag, für die Stiftung Kirchenburgen bestimmt.

Pfarrer Hartig verabschiedete alle Besucher des Gottesdienstes am Hauptausgang der Kirche. Die Heldsdörfer, die in Tracht erschienen waren – nach meiner Zählung waren es 24 – nutzten den Moment, um mit ihm vor dem Denkmal der Heldsdörfer Gefallenen des I. Weltkriegs ein Gruppenbild zu machen.

Leider läutete das Ende des Gottesdienstes auch das Ende des Heldsdörfer Treffens ein. Nach einer Ciorba sowie dem Abbau des Festzeltes sowie dem Aufräumen des Saales war Schluss.

Auf ein baldiges Wiedersehen in Heldsdorf!

 

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