Im Einsatz für das Donaudelta

Vor etwa zwei Wochen erschien auf der Internetseite der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) ein Bericht über und zu Ivan Patzaichin: „Ivan erzählt“. In dem Artikel wird unter anderem über das Erscheinen einer Patzaichin-Biographie berichtet („Ascultându-l pe Ivan“).

Mir fiel dazu ein, dass ich mir vor etwa zwei Jahren einen Comic aus Hermannstadt mitgebracht hatte, in dem das Leben beziehungsweise der Werdegang von Ivan Patzachin sowie sein Einsatz für den Erhalt von Natur und Kultur im Donaudelta thematisiert werden. Sämtliche Bilder dieses Beitrags stammen aus dem Comic. Dieser hatte mich auf die Idee gebracht, irgendwann mal eine Paddeltour durch das Donaudelta zu organisieren. Der ADZ-Artikel hat die Idee verfestigt, auch wenn das kein Projekt der nächsten Monate sein wird. Ich war erst einmal vor gefühlten 50 Jahren im Donaudelta. Es muss in der sechsten oder siebten Klasse gewesen sein, dass ich auf einer von meinem damaligen Klassenlehrer Günter Reiner organisierten ‚Tabara‘ dabei war.

Auf den Namen und die Person Ivan Patzaichin bin ich das erste Mal im Comic gestoßen. Dabei ist er eine der gefeierten Sportlegenden Rumäniens: Er nahm mehrfach an Olympischen Spielen teil hat lediglich eine Goldmedaille weniger als Nadia Comaneci gewonnen. Der Comic, der im Anhang Informationen zu Patzaichin und dem Donaudelta enthält, ließ mich neugierig werden. Über Recherchen lernte ich, dass Patzaichin Lipowaner ist. Vorname und Nachname lassen bereits vermuten, dass er keine rumänischen Vorfahren hat. Die Lipowaner flohen im 17. und 18. Jahrhundert aufgrund einer Glaubensreform aus Russland, um der Verfolgung zu entgehen. Viele von ihnen ließen sich in den unzugänglichen Gebieten des Donaudeltas nieder.

Patzaichin beim Training für die Olympischen Spiele 1972 in München
Patzaichin beim Training für die Olympischen Spiele 1972 in München

Patzaichin wird in dem Artikel der ADZ als Mensch beschrieben, der eigentlich die Öffentlichkeit scheut, diese aber suchen muss, da er für die Wiederherstellung eines Gleichgewichts im Donaudelta kämpft. Dafür hat er die Ökotourismusbewegung Romania initiiert, das traditionelle Fischerboot so umgestaltet, dass Touristen damit das Donaudelta erkunden können sowie ein jährliches Ruderfestival in Tulcea ins Leben gerufen.

Patzaichin hat bei seinem Einsatz mit einem Phänomen zu tun, das generell dafür sorgt, dass traditionelle Werte leiden: „Vorbilder für die lokalen Bewohner sind jene, die mit Motorbooten durch die Kanäle preschen und große Häuser mit glänzenden Dächern bauen. Nur Menschen, die nicht im Delta leben, wünschen sich den Erhalt der Natur und ursprünglicher Traditionen. … Was fehlt, ist […] der Stolz, etwas Wertvolles, Bewahrenswertes zu besitzen.“ (Zitate aus dem ADZ-Beitrag).

Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit sollen helfen, das Ensemble aus Natur, Werten und Traditionen zumindest ansatzweise zu erhalten. Dies soll geschehen, indem auch bei den Menschen vor Ort das Interesse am Erhalt des Deltas geweckt wird. „So entstand der Plan, der Lotca [dem traditionellen Fischerboot] ein neues Image zu verschaffen: Für Touristen soll Patzaichins technisch leicht verbesserte Version, die Canotca, die Gondel des Donaudeltas werden. Für die Fischer hingegen bedeutet sie eine zusätzliche Einnahmequelle, wenn abenteuerlustige Städter sie begleiten und dann am Lagerfeuer ihre Fischsuppe schlürfen und ihren Geschichten lauschen.“ (Zitat aus dem ADZ-Beitrag).

Ivan 2Der Comic – er ist nach dem Heimatdorf Patzaichins Mila 23 benannt – erzählt (zugegebenermaßen stark verkürzt und überspitzt), wie Patzaichin von seinem Großvater in die Welt der Fischer und Sagengestalten des Donaudeltas eingeweiht wird, die Lotca als zentralen Bestandteil seiner Welt entdeckt und spürt, dass er trotzdem mehr will und dies auch erreichen kann. Gezeichnet ist er von Alex Talamba (Künstlername Tamba), der 1980 in Bukarest geboren wurde und bereits mehrere Comics beziehungsweise Graphic Novels veröffentlicht hat (Elabuga, Sidi Bouzid Kids, Pandora Beach, Cei de dincolo).

Ich kann mir gut vorstellen, in einem der nächsten Sommer mit einer kleineren Gruppe das Donaudelta zu erkunden, tagsüber auf dem Wasser zu sein, abends Fischsuppe zu essen und Geschichten zu lauschen … Wer wäre dabei?

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