Wie Heldsdorf entstand

Manchmal, wenn man etwas sucht, findet man andere Sachen, von denen man gar nicht mehr weiß, dass man sie hat. So geht es zumindest mir manchmal. So auch vorgestern, als ich auf das bald 90 Jahre alte Büchlein „Burzenländer Sagen und Ortsgeschichten zur Förderung der Heimatliebe und der Leselust“ gestoßen bin. Die kurzen Sagen und Geschichten, 97 an der Zahl, wurden von Friedrich Reimesch gesammelt, die (gefundene) dritte Auflage erschien 1927 im Verlag H. Zeidner in Kronstadt.

Friedrich Reimesch wurde 1862 in Zeiden geboren und war Pfarrer und Lehrer in mehreren Orten im Burzenland. Er sammelte die Sagen, da er sie als wichtigen Bestandteil der Kultur und des Wesens der Burzenländer Sachsen betrachtete und als Lehrer auch feststellte, dass seine Schüller diese besonders interessiert lasen oder gerne hörten. Friedrich Reimesch verstarb 1948.

Die Geschichten 13 (Seite 17-18) und 14 (Seite 18) beschäftigen sich mit direkt mit Heldsdorf und werden nachfolgend wortwörtlich und in der damals gängigen Schreibweise wiedergegeben.

 

13 Die Gründung von Heldsdorf

Das Burzenland (ursprüngliche Quelle unbekannt, Bild im Diabestand der HG Heldsdorf)
Das Burzenland (ursprüngliche Quelle unbekannt, Bild im Diabestand der HG Heldsdorf)

a) Die Heldsdörfer erzählen, daß das Burzenland vor Zeiten ein großer See gewesen sei. Erst bei der Einwanderung der Sachsen habe ein deutscher Mann, namens Held (Hiltvin), mit vieler Mühe den Durchbruch durch den Geisterwald gegraben. Er habe so den See abgeleitet und das Land trocken gelegt. Darauf habe er nicht weit vom Fuße des Berges, auf dem seine Burg, die Heldenburg, stand, das Dorf Heldsdorf gegründet. Zur Erinnerung an ihn habe Heldsdorf den kraftvollen Mann mit dem Streitkolben (dem Haldebotschi) in sein Wappen genommen und ihm zu Ehren habe es auch den Namen, der zuerst Hiltvinsdorf hieß.

b) Von der Gründung Heldsdorfs erzählt man auch noch eine Sage: Die Gemeinden Marienburg und Zeiden nahmen bald nach ihrer Gründung an Einwohnern so rasch zu, daß der Ritterorden das unternehmungslustige junge Volk dem bewährten Führer Heltven (Hiltvin) zur Gründung einer neuen Gemeinde anvertraute. Dort, wo die beiden Gemarkungen zusammenstießen, gründeten sie das neue Dorf, das nach seinem Gräfen Heltvinsdorf (Villa Heltven) genannt wurde. Rechts vom Bache erbauten sie die Kirche und weihten sie dem heiligen Andreas. An der Stelle, wo früher der Grenzstein zwischen Marienburg und Zeiden gestanden, wurde der Altar errichtet.

In dankbarer Erinnerung an die Gründung Heldsdorfs wurde später an dem wunderschönen, mit kostbaren Gemälden so reich gezierten Flügelaltar das Wappen von Marienburg und ihm gegenüber das Wappen Heldsdorfs, der Held mit dem Streitkolben, angebracht.

14 Sankt Andreas

Die Heldsdorfer evang. Kirche ist dem Apostel Andreas, dem Bruder des Simon Petrus geweiht. Andreas war wohl der erste Jünger Jesu. Er hat seinen Bruder Simon Jesu zugeführt (Joh. 1, 40-42). So nahm er denn unter den Zwölfen eine hervorragende Stelle ein. Wegen der Verfolgung der ersten Christengemeinde in Jerusalem ging er nach Griechenland und ans Schwarze Meer. Deshalb verehren ihn die Russen als ihren Apostel. Am 30. November soll er in Paträ am Meerbusen von Korinth an einem schräggestellten Kreuze den Märtyrertod gefunden haben. Diese schräge Kreuzform X heißt nach ihm Andreaskreuz.

Die Nacht vor dem 30. November war unseren Vorfahren besonders heilig und ist auch jetzt noch mit allerlei Aberglauben verbunden.

Fortsetzung folgt.

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